|
Sie ist echt die verrückteste Frau, die ich je kennen gelernt habe. Wir trafen uns beim türkischen Gemüsehändler um die Ecke. Sie stand vor mir in der Schlange an der Kasse. Als ich mein Portmonnaie aus der Hosentasche holen wollte, fiel mein Blick auf ihre Beine. Das rechte Bein war eindeutig eine Prothese. Ich versuchte, etwas um sie herumzulugen. Ihre Füße steckten in blauen Bio-Sandalen. Sie trug keine Socken. Ich konnte sehen, daß an ihrem linken Fuß alle Zehen amputiert waren. Sie drehte ihren Kopf zu mir um.
"Na? Gefällt es Dir?" "Ja!", sagte ich sofort. Sie schien überrascht. "Oh! Das höre ich nicht oft. Die meisten Menschen sehen angewidert weg und Männer finden meine Beinprothese auch nicht gerade sexy." "Naja.... Ist jedenfalls mal was anderes."
Sie war mit bezahlen dran. Als sie dies getan hatte ging sie auf dem Weg aus dem Laden noch einmal an mir vorbei und lächtelte mich an. Ich lächelte zurück. Dann bezahlte ich und verließ das Geschäft. Auf einmal hörte ich ihre Stimme hinter mir. "Hast du gerade etwas Zeit?"
Ich drehte mich erschreckt um.
"Ja. Ja, habe ich." "Hast Du Lust, einen Kaffee trinken zu gehen?" "Gerne."
Also gingen wir die Straße entlang zu einem Café. Man konnte an ihrer Art zu gehen schon erkennen, daß da irgendwas mit dem Bein war.
"Ich raube dir doch jetzt nicht irgendwelche kostbare Zeit, oder?" "Ach was, ich habe heute meinen freien Tag. Eigentlich wollte ich zuhause klarschiff machen. Aber ich bin ganz froh, daß ich davor jetzt flüchten kann."
Wir bestellten uns jeder einen Milchkaffee und bis der kam plauderten wir etwas.
"Wie kommt es, daß du... nur noch ein Bein hast?" "Ich habe es bei einem Unfall verloren. Ich war mit meinem Auto zu schnell unterwegs. Ich hatte mit meinem Freund Schluß gemacht und war stinkend wütend. Es hatte geregnet und ich war wie gesagt viel zu schnell unterwegs. Und natürlich bin ich dann in einer Kurve von der Straße geflogen. Mitten auf einen Acker und voll in einen Weidenzaun. Ein Pfosten hatte sich in mein Bein gebohrt. Ich blutete wie angestochen..."
Sie stockte.
"Tut mir leid. Die Erinnerung daran....ist..." "Verständlich." "Jedenfalls wachte ich im Krankenhaus auf und mein Bein war ab. Um mich zu retten war das Bein noch vor Ort amputiert worden." "Schrecklich." "Ja, besonders die Zeit danach. Mein linkes Bein war mehrfach gebrochen. Rollstuhl. Krücken. Dann irgendwann Prothese. Zuerst hatte ich mich nicht aus dem Haus getraut. Aber ich mußte ja mal raus. Zum einkaufen. Zum Krankenhaus. Mein Chef wollte mich auch mal wieder sehen. Ich hatte natürlich lange Hosen an. Auch im Sommer. Ich hatte immer das Gefühl, daß mich die Leute anstarren würden, weil ich so komisch gehe. Und dann gab mir eine Freundin den Tip, kurze Sachen anzuziehen."
"Tip? Naja, kurze Sachen wegen der Hitze eben." "Eben nicht!" "Hä!" "Kurze Hosen oder Röcke damit die Menschen meine Prothese sehen können. Dann denken die eben nicht `Was geht die den so komisch´, sondern `Mensch, dafür, daß die ein Bein ab hat, kann die aber ganz toll laufen´." "Ah, nicht schlecht." "Ja, und das funktionierte gut. Wenn mich jemand so merkwürdig ansah, sagte ich in Gedanken immer wieder zu mir ´Ja, schaut ruhig. Ich kann laufen, obwohl ich eigentlich nur ein Bein habe´."
Unser Milchkaffee kam.
"Und ab da trug ich im Sommer nur noch kurze Röcke und auch wieder Sandalen. Nachdem ich mich quasi geoutet hatte war mir alles egal. Ich ging zur Klinik für Aesthetik und ließ im Laufe der Zeit einige Modifikationen durchführen. Die Amputation aller Zehen.... Und dies hier..", sagte sie und hielt ihre Hände hoch.
Jeder ihrer Finger war nur noch ein Stummel. Lediglich die untersten Fingerglieder waren erhalten geblieben. Sie waren ertaunlich dünn. "Uuhh! Äh.. wie arbeitest Du? Und was?" "Also hauptsächlich bin ich Buchhalterin."
Sie hielt den langen Löffel mit ihren Stummelfingern während sie den Milchschaum löffelte. Ich beobachtete sie dabei faszieniert. Es störte sie nicht.
"Ab und zu versuche ich mich als Künstlerin. Ich bin dann Bildhauerin und Malerin. Also jetzt nicht professionell. Immer, wenn ich mal Zeit und Lust habe und mir eine Idee kommt, arbeite ich an meinen Werken. Das kann sein, daß ich an zwei Tagen ein Bild male, und gleichzeitig werkel ich seit fast fünf Jahren an einer Skulptur."
"Verkaufst du deine Sachen?" "Ein guter Freund von mir hat eine Galerie. Wenn ich mal was fertig habe, verkauft er es für mich. Das läuft ganz gut. Kürzlich wurde sogar eine Skulptur von meinem linken Fuß verkauft, die ich mit Hilfe eines Gips-Abgusses gemacht habe."
"Aber dein Geld verdienst du als Buchhalterin?" "Ja. Und auf dem Computer kann ich mit diesen Fingern ja ganz gut tippen." "Hast du dir alle Zehen und Finger auf einmal amputieren lassen?" "Die Zehen beim ersten Mal. Dann ein paar andere Sachen. Einige Piercings, ein paar Tattoos. Und die Finger waren jetzt das letzte, was ich habe machen lassen."
Sie umfaßte mit beiden Händen ihr Glas und führte es zum Mund. Als sie es wieder absetzte grinste sie.
"Anders geht das nicht mit dem Trinken. Hast Du auch irgendwelche Modifikationen?" "Ich habe mich vor einem Jahr von meinem großen rechten Zeh getrennt. Beziehungsweise ihn von mir getrennt." "Hast du das selbst gemacht?" "Ja." "Oh! Und? Sonst noch was?" Ich druckste etwas herum. "Ich... öh.. hui.. ich habe....." "Na komm!" "Ich mich selbst penektomiert." "Du hast die selbst den Penis abgetrennt?" "Pschsch! Nicht so laut! Ja.. ich habe mir selbst einen Teil meines Penis amputiert.Ich habe noch einen etwa eineinhalb Finger breiten Stummel. Also so breit wie.. wie meine Finger. Das war ein paar Monate vor dem Zeh." "Cool."
Wir sprachen noch etwas miteinander. Dann trennten wir uns. In den nächsten Wochen trafen wir uns sehr häufig. Und irgendwann landeten wir im Bett. Ich präsentierte meinen kurzen Freund und meinen Fuß, an dem nicht nur der große Zeh fehlte, sondern auch die beiden daneben waren nur noch Stümpfe.
Sie zeigte mir ihren zehlosen linken Fuß und den rechten Beinstumpf. Ich erkundete ihre Piercings und wurde an den ungewöhnlichsten Stellen fündig. Als sie ihren BH abnahm fielen zwei Brustvergrösserungen heraus. Sie hatte sich die Brüste entfernen lassen und war ohne die Vergrößerungen flach wie ein Brett. Seit diesem Tag trug sie die künstlichen Brüste in der Öffentlichkeit nicht mehr. Im Freibad trägt sie einen Bikini, der im wesentlichen die Narben verdeckt, die bei der OP entstanden. Die waren aber kaum noch sichtbar. Ansonsten lag der Bikini flach an. Genau wie meine Badehose. Denn mittlerweile bin kastriert und habe in der Klinik für Aesthetik verschiedene Piercings und Tattoos bekommen und wir tragen beide nur noch Sandalen ohne Socken. Leider ist es mir aus beruflichen Gründen nicht möglich, daß ich mir meine Finger amputieren lassen kann, aber den linken Daumen bin ich schon los. Dafür genieße ich umso mehr ihre Hände, wenn sie mich streichelt.
|