Ein nicht ganz so nettes Gespräch
By: Mirror

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Fast schon mit kindlicher Vorfreude wartete Lamares ungeduldig in dem kleinen Keller auf sein neustes Opfer. Lamares war gebürtiger Ägypter, hatte aber gewissermaßen die Fronten gewechselt. Nach dem Tod Kleopatras hatten die Römer sehr schnell große Teile des Landes für sich beansprucht und eingenommen. Er hatte die Wahl gehabt, sich zu wehren und so getötet zu werden oder in Gefangenschaft zu geraten oder aber für die Römer zu arbeiten. Die Entscheidung war dem Mann mittleren Alters nicht sonderlich schwer gefallen. Und so konnte er nun weiterhin das machen, was er am Besten konnte – Informationen beschaffen. Schon seit Wochen versuchte das Imperium Romanum die letzten Widerstände zu brechen und die Rebellen festzusetzen. Das gestaltete sich in dem weitläufigen Land jedoch schwieriger als gedacht. Und die wenigen Rebellen, die man hatte festnehmen können, waren nicht sonderlich gesprächig. Die gestandenen Männer, die Lamares in den letzten Tagen befragt hatte, hatten sich geweigert auch nur ihren Namen zu sagen. Selbst unter Folter waren sie nicht bereit gewesen zu kooperieren. Heute aber, das wusste Lamares, würde er ein ganz besonderes Opfer bekommen. Einen Jungen von vielleicht siebzehn Jahren. So würde Lamares endlich an die ersehnten Informationen kommen, die er dann an die Römer weitergeben könnte. Immerhin sicherte er sich so auch selbst ab, indem er zeigte, dass er für die Römer noch viel nützlicher sein konnte.

Endlich ging die Tür quietschend auf. Lamares bleckte sich die Lippen und erhob sich von seinem Hocker. Zwei Legionäre in voller Montur zerrten den Jungen hinein. Der junge Ägypter schien sogar noch etwas jünger zu sein, als man ihm gesagt hatte. Er trug nicht mehr als einen ausgebleichten, dünnen Lendenschurz, der gerade einmal das aller nötigste bedeckte. Sein Gesicht, ja auch seine Brust war von Dreck gekennzeichnet und er atmete schwer. Vermutlich hatte er sich bis eben noch gegen die Soldaten gewehrt. Aber mit einem oberflächlichen Blick konnte Lamares keinerlei Wunden oder Blut sehen. Nicht einmal blaue Flecken. Gut. So konnte er am Besten arbeiten.

Lamares ging einen Schritt beiseite und zeigte auf den großen, grauen Steinquader in der Mitte des Raums.

"Bringt ihn bitte dorthin", sagte er den Soldaten.

Einer von ihnen nickte knapp, ehe sie den Jungen zum Block zerrten und ihn auf den kalten Stein pressten. Lamares folgte ihnen und band den Ägypter an allen vier Gliedern mit Seilen fest. Die Seile hatten bis eben noch in Wasser gelegen und würden sich beim Trocknen noch weiter zusammenziehen.

Die beiden Legionäre versicherten sich, dass der Gefangene auch wirklich fixiert war, ehe sie zur Tür gingen.

"Ave Cäsar", sagten beide im Chor und führten den üblichen Gruß aus.

"Ave...Ave Cäsar", sprach nun auch Lamares, der sich noch nicht vollständig an diesen Gruß gewöhnt hatte. Die beiden Legionäre verließen ihn und schlossen die Tür. Der junge Ägypter schaute ängstlich drein, während Lamares langsam um ihn herum ging, ihn in Ruhe betrachtete. Angst. Das war gut.

"Du weißt, wo sich die Rebellen verstecken", stellte Lamares fest. "Nicht wahr?"

"Es sind keine Rebellen!", protestierte der junge Ägypter. "Und...und ich weiß nicht, wo sie sind aufhalten."

Obwohl Lamares innerlich grinste, verzog er äußerlich keine Miene. Der Junge hatte zu unsicher geantwortet. Er wusste sehr wohl, wo sich die Rebellen aufhielten. Damit hatte Lamares schon einmal die wichtigste Information überhaupt.

"Nun gut. Verrätst du mir deinen Namen?"

"Ich...ich heiße Sepa", verriet er unsicher.

"Sehr schön, Sepa. Wurdest du schon einmal gefoltert?"

Diese Worte ließen den Jungen zusammen zucken. Er verkrampfte seine Hände, obwohl er genau wusste, dass er gegen die Fesseln keine Chance hatte.

"Ich mache dir ein Angebot, dass ich bei weitem nicht jedem gebe", meinte Lamares. "Wenn du lieber kooperieren und mir verraten möchtest, was du weißt, dann darfst du es jederzeit tun. Dann werde ich sofort aufhören und wir sind beide glücklich. Ist das nicht ein tolles Angebot?"

"Ich..ich weiß aber nichts...", murmelte Sepa.

"Natürlich nicht", seufzte der ältere Mann und rollte mit den Augen.

Einen Moment lang überlegte er, wo er bei dem Jungen ansetzen sollte. Nach kurzem Nachdenken kam ihm eine Idee. Er ergriff zunächst den Lendenschurz und riss ihn weg. Sepa zuckte leicht zusammen und versuchte dann den Blick des Mannes auszuweichen. Es war ihm sichtlich peinlich entblößt zu werden. Lamares nahm nun die Hoden in seine Hand und wog sie etwas. Langsam drückte er sie etwas zusammen, nahm auch mal nur ein Ei zwischen die Finger und drückte es. Nicht so kräftig, dass irgendetwas kaputt gehen werde, sondern gerade so stark, dass Sepa sich auf die Lippen biss und leise stöhnte. Probeweise verdrehte er nun auch die Hoden, bis der junge Ägypter die Augen zu kniff. Dann ließ Lamares aber los und ging stattdessen zu einer kleinen Kiste, die auf einer Ablage stand. Im ersten Moment atmete Sepa leicht auf. Das ganze änderte sich dann aber rasch, als der Folterknecht sich umdrehte und in der Hand nun einen kleinen Skorpion hatte. Lamares ging auf sein Opfer zu und hielt dabei das kleine Tier penibel am Hinterteil fest, sodass dieses ihn nicht stechen konnte. Sepa riss die Augen auf, zerrte an den Fesseln und doch brachte es nichts. Hilflos musste er mit ansehen, wie der Mann den Skorpion langsam zwischen seinen Beinen auf den Stein ablegte und dann loskrabbeln ließ. Sepa liefen nun sogar Tränen über die Wangen.

"Du brauchst mir nur den Namen der Stadt zu geben", wiederholte Lamares. "Den ungefähren Standort. Na?"

Sepa wimmerte nun, schüttelte nur wild den Kopf und bat um Gnade. Dass er dabei wie wild an seinen Fesseln zerrte, war jedoch ein Fehler. Dem Skorpion gefiel das gar nicht, sodass dieser stattdessen sein Stachel blitzschnell in die freiliegenden Hoden des Jungen stieß und sein Gift freisetzte. Ebenso schnell griff nun Lamares zu und packte das kleine Tier wieder geschickt am Hinterteil, um es dann wieder in die kleine Kiste zu stecken. Sepa rutschte unruhig auf dem Stein hin und her, soweit das denn möglich war. Er sah den Folterknecht ängstlich an.

"Sterben wirst du daran nicht, keine Sorge. Aber es wird...nun ja...das siehst du ja gleich selbst", erklärte dieser.

Die ersten Minuten spürte der junge Ägypter nichts, doch dann begann das Gift zu wirken. Lamares konnte selbst nicht genau sagen, wie es sich anfühlte, aber er wusste zumindest aus Erzählungen, dass es sich anfühlte, als würden die Hoden innerlich verbrennen. Ein stechender, brennender Schmerz sollte sich angeblich breit machen. Das passte auch dazu, dass Sepa zuerst stöhnte, dann wimmerte und schließlich schrie. Während der Schmerz wohl immer intensiver wurde, begannen die Hoden immer mehr an zu schwellen. Nach einiger Zeit hörte er endlich auf zu schreien und wimmerte stattdessen nur, aber seine Hoden hatten nun etwa die vierfache Größe des Ursprünglichen erreicht. Sepa keuchte schwer, schaute sein Gegenüber ängstlich und bittend an.

"Wir können das Ganze jederzeit stoppen", erklärte Lamares. "Du brauchst mir nur zu verraten, wo sich die Rebellen aufhalten."

Sepa schüttelte wild den Kopf. Lamares seufzte und zuckte mit den Achseln. Er holte eine Amphore von der Ablage und ging damit zurück zu seinem Opfer.

"In dieser Amphore befinden sich Skarabäen. Und zwar eine ganze Menge. Und sie sind aus gehungert. Interessanterweise mögen diese Käfer das Gift des Skorpions. Wenn ich also einen oder zwei freilasse, werden sie sich begierig durch deine Hoden fressen. Dies wird zwar äußerst schmerzhaft für dich, wird dich aber nicht umbringen. Zumindest wenn ich sie rechtzeitig heraushole, sonst beginnen sie auch damit, den Rest von dir aufzuessen. Ein sehr...schmerzhafter Tod."

Mit Unbehagen schaute Sepa zu, wie der Folterknecht nun einen der Käfer mit einer Zange herausholte und ihn präsentierte. Das kleine Tier zappelte wie wild. Erneut stiegen Tränen in dem Jungen auf.

Dann ließ Lamares den Käfer los, der daraufhin zielstrebig auf den schreienden Jungen zu krabbelte. Der darauf folgende Schrei übertrumpfte das jedoch noch bei weitem. Der Junge zappelte nun so sehr an den Fesseln, dass Lamares einen Augenblick lang befürchtete, dass die Seile reißen würden.

"Ich verrate es!", kreischte Sepa nun. "Ich sag es euch!"

Und das tat er. Lamares selbst war zufrieden. Er notierte in Ruhe alles, was der Junge kreischte, ehe er das Papyrus beiseite legte und noch einige Käfer mehr auf die Steinplatte setzte. Dann nahm er die niedergeschriebenen Notizen und verließ den Raum. Wieder ein erfolgreicher Tag.


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